OVZ 10.03.2020 CKO

Kreuzweg von HAP Grieshaber als ökumenische Erfahrung

 

08.03.2020 | Musik & mehr

Die Culturkirche Oberberg hat das Jahresprogramm mit einer geistlich-musikalischen Inspiration begonnen. Kreisdechant Christoph Bersch und Superintendent Michael Braun überzeugten als Sprecher.  

Die Wehklage des E-Cellos ist eine passende Musik zum Bild der weinenden Maria mit dem toten Sohn auf dem Schoß. „Beweinung“ heißt die 13. Station des Kreuzwegs von HAP Grieshaber. Der Holzschnitt hängt im Original an der Wand der Kirche St. Mariä Namen in Engelskirchen-Osberghausen. An diesem Abend leuchtet er den 100 Besucherinnen und Besuchern auch als Projektion auf einer Leinwand am Altar entgegen. Intensiv wirkt das multimediale Zusammenspiel aus Musik, Bild und Sprache.

Im Wechsel mit dem Stücken des Cellisten Ludger Schmidt treten der katholische Kreisdechant Christoph Bersch und der evangelische Superintendent Michael Braun an das Mikrofon und tragen Bildanalysen und meditative Texte vor. „Wie viele Kreuze tragen wir gerade?“, fragte Michael Braun, „wie viele Kreuze muten wir anderen zu? Als Christen nehmen wir das Kreuz und laufen nicht weg. Wir tragen ein Kreuz, wenn wir an eine Krankheit denken oder an das Schicksal von Flüchtlingen.“ Christoph Bersch weitete den Blick aufs Kreuz: "Das Kreuz steht auch für Gottes Kraft und Weisheit."

Kreuzweg in Erinnerung an das Leiden von Auschwitz

HAP Grieshaber war ein Verfechter der Ökumene; es hätte ihm sicher gefallen, dass die Eröffnungsveranstaltung der Culturkirche 2020 ökumenisch gestaltet wurde. „Die Liebe bleibt“ ist Titel des Kreuzwegs, den der Künstler (1909- 1981) eigentlich für Auschwitz geschaffen hat, er wird auch „polnischer Kreuzweg“ genannt. Die Bilder sollten in einer geplanten Sühnekirche in Auschwitz hängen, die aufgrund vieler Bedenken nicht realisiert wurde. "Bestürzend aktuell" nannte Patrick Oetterer das Thema. Er ist Leiter des Referats "Geistliches Leben" im Erzbistum Köln und verantwortlich für die CulturKirche Oberberg. 

Der Bilderzyklus ist Eigentum von Dr. Wolfgang Sabel aus Gummersbach, der persönlich mit Grieshaber bekannt war und die Holzschnitte von ihm erworben hat. Zehn Jahre lang hingen die Bilder in der evangelischen Kirche in Strombach. Jetzt werden sie als Dauerleihgabe in der Culturkirche zu sehen sein. Patrick Oetterer freut sich: „Eine große Bereicherung, die zu unserer Kirche passt und zum christlich-jüdischen Dialog, den wir hier pflegen.“

Echos hallen noch lange nach

Die Modernität der Malerei findet in dieser Passionsandacht ihre Entsprechung in der Musik. Ludger Schmidt macht auf dem Cello den Schmerz Jesu und den der einsam weinenden Mutter hörbar. Über zwei Loop-Maschinen erzeugt und verstärkt er Echos, die tief bei den Zuschauern in der Culturkirche nachhallen. Seine Musikstücke unterstreichen die Meditations-Texte und lassen sie in einer erlösenden Klimax enden. Jesus ist gestorben, aber die Liebe wird bleiben.

Die Meditationstexte stammen aus dem Buch: Das kleine Buch vom Kreuzweg der Versöhnung, geschrieben vom evangelischen Pfarrer Uwe Seidel und dem Dominikanerpater Diethard Zils mit Bilder von HAP Grieshaber. 

Veranstalter des Abends waren der Kreiskatholikenrat Oberberg, der Evangelische Kirchenkreis An der Agger, das Katholische Bildungswerk und die CulturKirche Oberberg.

www.ekagger.de | jth | Text: Judith Thies | Fotos: Kirchenkreis An der Agger/J.Thies

Kölnische Rundschau

Was uns trägt

Engelskirchen - (gh) „Ich darf ihnen verkünden, wir haben noch nie zusammen geprobt, von zusammen aufgetreten, gar nicht zu reden“, begrüßte Willibert Pauels alias „Ne bergische Jung“ in seiner bekannt schelmischen Art die Gäste in der rappelvollen CulturKirche Oberberg auf den Höhen Osberghausens; unter ihnen auch Engelskirchens Bürgermeister Dr. Gero Karthaus und Kreisdechant Christoph Bersch. „Aber ich darf ihnen verraten, de Jung kann singe“, setzte Pauels launig hinzu.

Das bewies dann auch der „Jung“ in einem fast dreistündigen Konzert ein ums andere Mal mit seinen gefühlvollen, lustigen, aber auch hintergründigen Songs, schließlich war Edzard „Eddie“ Hüneke Gründungsmitglied der nicht nur in Deutschland über Jahre begeistert gefeierten A cappella-Band „Wise Guys“.

Mittlerweile ist er als Solist auf Tour, wobei ihn sein langjähriger Musikgefährte Tobi Hebbelmann begleitet, der gekonnt auf Gitarre, Percussion und Orgel aufspielt.

Die beiden und der im Berufsleben als Diakon seelsorgerisch tätige „bergische Jung“ wollten erstmals in Engelskirchen-Osberghausen ein Experiment wagen. Sie nennen es „Was uns trägt - auf den Flügeln der Musik, des Lachens und der Religion“ und feierten im „rheinischen Gaza-Streifen“ Premiere. [...]

© Rheinische Anzeigenblätter; Anzeigen Echo

Was ist eigentlich eine Kulturkirche?

"Eine von möglichen Antworten auf die Sehnsucht der Menschen" - ein Interview mit Diakon Patrick Oetterer.

Ihre liturgische Nutzung soll gesichert bleiben. Doch ergänzend werden zunehmend ländliche Kirchenräume zu attraktiven Begegnungsstätten mit wohl überlegten Kulturprogrammen. Dass das Konzept aufgeht, erklärt Diakon Patrick Oetterer.

DOMRADIO.DE: Herr Oetterer, der Begriff "Kulturkirche" ist eine Wortneuschöpfung und bedeutet, dass sich in einem Sakralraum Spiritualität und Kultur in allen ihren potenziell denkbaren Ausbildungsformen begegnen. Die evangelische Kirche reklamiert diese Definition schon länger für sich. Aber auch innerhalb des Erzbistums Köln gibt es bereits Kulturkirchen wie beispielsweise in Oberberg St. Mariä Namen, Osberghausen, oder aber auch St. Gertrud in Köln. Nun kommt mit St. Johannes der Täufer eine neue in Bergisch Gladbach-Herrenstrunden hinzu. Welches Konzept steckt dahinter?

Diakon Patrick Oetterer (Leiter des Referates Geistliches Leben): Die Frage, die heute hinter allen Überlegungen zur Nutzung von Kirchen steht und sowohl die Deutsche Bischofskonferenz als auch die Verantwortlichen in Rom       

beschäftigt, ist doch: Was machen wir mit unseren Kirchen, die vielerorts immer weniger Gottesdienstbesucher haben? Gerade wenn es sich um kleinere Gotteshäuser an der Peripherie handelt. Es kann doch nicht sein, dass wir sie alle, weil sie scheinbar ausgedient haben, profanieren oder sogar abreißen, wenn sie leer stehen. Diese geistlichen Orte – ob in Zentren von Städten oder ländlichen Gebieten – die den Menschen als Orientierungspfeiler in ihrem Leben, als Glaubens- und Begegnungsstätten mit Gott dienen und mit denen sie prägende Erinnerungen verbinden, brauchen ergänzende, stützende Aktivitäten, die sich an die gottesdienstlichen Sinnangebote anlehnen oder daraus speisen. Dabei bewegt mich vor allem – und das schon seit Studientagen: Wie kann das Christentum, der christliche Glaube in unserer westlichen Kultur lebendig und insofern durchaus auch prägend bleiben? Eine uralte Frage. Schon die frühen Christen waren darum bemüht, der kulturellen Umgebung eine andere Sicht auf das Leben, das Zusammenleben zu geben. Gewissermaßen alles aus der Erfahrung und der Sicht von Tod und Erlösung Jesu Christi zu betrachten. Dann wandelt sich eine Kultur. Dann wandelt sich der Geist der Zeit. Dies hat die Menschen in allen Schichten der damaligen antiken Kultur emotional und rational berührt. .....  > weiterlesen

Zeitung

CulturKirche ein einzigartiges Highlight

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Engelskirchen - Die katholische Kirche in Osberghausen wird zur „+CulturKirche Oberberg“ - Bereits im ersten Jahr wird es sechs Veranstaltungen geben.

Von Ursula Hütt
www.oberberg-aktuell.de

 

Im Rahmen eines Gottesdienstes mit dem Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln, Prälat Josef Sauerborn, und Kreisdechant Christoph Bersch wurde die Eröffnung der CulturKirche Oberberg am Sonntag gefeiert. An der Gestaltung des Gottesdienstes war der Figuralchor Köln unter der Leitung von Erzdiözesankirchenmusikdirektor Prof. Richard Mailänder beteiligt. Prälat Josef Sauerborn betonte in seiner Predigt, dass Kultur lediglich ein anderes Wort für menschliches Leben sei und Kultur nicht erst mit dem Besuch eines Museums beginne. „Kultur ist vielmehr unser ganz alltägliches Leben“, so Sauerborn. Eine kulturelle Entscheidung sei auch der Besuch und die Gestaltung des Gottesdienstes insgesamt. Kultur ziehe sich auch durch den Glauben. Außerdem beinhalte Kultur das Wort Kult.

 

 Kulturkirche solle bewirken, dass sich die Besucher der Kunst öffnen und sich bewusst in Beziehung zu ihr setze. Es könne Aufgabe der Kulturkirche sein, nicht einfach alles geschehen zu lassen, sondern man bewusst in eine andere Welt eintaucht und das erlebt, was Künstler erarbeitet haben. Kunst und Kultur, Kunst und Glauben seien nicht voneinander zu trennen. Ziel sei es, dass es zu einem großen Austausch komme und den Besuchern die Möglichkeit geboten werde, Kunst und Kultur zu lernen.

 Grußworte sprachen nach dem Gottesdienst die stellvertretende Landrätin Ursula Mahler, Bürgermeister Dr. Gero Karthaus und Superintendent Jürgen Knabe. Dr. Karthaus sieht in der CulturKirche ein „mutiges, spannendes Experiment“. Er betonte den Einfluss der Kirche auf die Kultur, auch mit Blick auf die Kunst in der Kirche, die Schätze, Bilder und auch die Musik als Darstellung des Glaubens. Kunst, Kultur und Glaube würden in der CulturKirche aufeinandertreffen. „Nicht nur für Engelskirchen, sondern für den gesamten Oberbergischen Kreis ist die CulturKirche ein einzigartiges Highlight“, so der erste Bürger der Gemeinde.

 In seinem Festvortrag betonte der Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, dass die CulturKirche eine würdige Erhaltung der Kirche sei. „Kultur ist heute ein häufig verwendeter Begriff. Kultur grenzt vom Alltag ab. Er veredelt.“ Den Erhalt der Kirche sieht Prof. Dr. Zehnder als oberste Priorität. Oft würden Kirchen entweiht und anschließend als Wohnung, Büro oder Archiv genutzt, was schließlich in einem Totalverlust enden würde. Dabei wären Kirchen Markierungen in einem Ort. Ziel müsse es sein, eine sinnvolle Zusatznutzung der Kirchen zu finden. „Kirche und Kunst gehören eng zusammen.“ Würde man die Spiritualität aus der Kunst streichen, dann würde nicht viel übrig bleiben.

Jeder, der mit Kultur beschäftigt ist, wisse, wie schwer es sei, Menschen an gute Kultur zu gewöhnen. Kreatives Denken und Handeln lasse sich nicht automatisieren. Individualität vor Ort sei das Spannende. „Die Lebensqualität in der Region wird verbessert“, so Prof. Dr. Zehnder. Er wünschte sich einen regen Besuch der CulturKirche, was aber nicht zur Routine werden dürfe.
 

Symbiose Kirche und Kultur; +CulturKirche Oberberg

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Kunstwissenschaftler Professor Dr. Frank Günther Zehnder (v.l.), Psychopädin Petra Weiß, Prälat Josef Sauerborn (Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln), Diakon Patrick Oetterer, Ursula Mahler (stellvertretende Landrätin), Bürgermeister Dr. Gero Karthaus, Jutta Karthaus, Kreisdechant Christoph Bersch, Superintendent Jürgen Knabe und Bernhard Wunder, Leiter des katholischen Bildungswerks freuen sich gemeinsam auf ein gutes Gelingen der +CulturKirche Oberberg.

 

 

Da schon seit einigen Jahren in der Katholischen Gemeindekirche St. Mariä Namen in Engelskirchen-Osberghausen erfolgreich künstlerisch-religiöse Veranstaltungen durchgeführt werden, hatten Kreisdechant Christoph Bersch und Diakon Patrick Oetterer die Idee eine Kulturkirche zu gründen.

Diese eröffneten nun der Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln, Prälat Josef Sauerborn und Kreisdechant Christoph Bersch mit einem feierlichen Festgottesdienst. Rund 250 Besucher, darunter auch Engelskirchens Bürgermeister Dr. Gero Karthaus, nahmen am Gottesdienst teil. Kunstwissenschaftler Professor Dr. Frank Günther Zehnder sprach in seinem Festvortrag vom Zusammenhang von Kirche und Kultur und erinnerte etwa an die vielen wunderbaren Wandbilder in den römischen Katakomben, die mit ihren völlig neuen Inhalten und Formulierungen, der Kunstform und den Botschaften bereits ein beredtes Zeugnis über die Symbiose von Verkündigung und Kunst abgegeben haben.

Die verschiedenen Epochen wie zum Beispiel Romanik, Gotik, Renaissance und Barock sind in enger Beziehung zur Kirche groß geworden, haben von dort die jeweilige bürgerliche Kultur geprägt. Die Kirche war wichtigster Träger der Kultur und aus diesem Blickwinkel war Kirche immer schon Kulturkirche.

„Das Angebot in einer Kulturkirche sollte Spiegelbild der gesellschaftlichen Vielfalt sein und eine gute Portion Demut ist nicht fehl am Platze“, sagte Zehnder. Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes lag beim Figuralchor Köln, unter der Leitung von Professor Richard Mailänder.

Nach dem letzten Lied „Befiel Du Deine Wege“ waren die Gäste ins Pfarrheim eingeladen. Hier sorgte die Caritas für das leibliche Wohl.

Die Veranstaltungen in der CulturKirche Oberberg in Osberghausen reichen von spirituellen Konzerten über Lesungen von Gedichten und Texten bis hin zum Workshop mit Jugendlichen. Bei der Auftaktveranstaltung „Gälische Nacht“ am 12. Mai um 19 Uhr sind keltisch-schottische Marienlieder zu hören.

Die Kooperationspartner der CulturKirche Oberberg sind Kreisdekanat Oberberg, Kreiskatholikenrat Oberberg, Caritasverband Oberbergischer Kreis, Katholisches Bildungswerk im Oberbergischen Kreis, Katholische Kirchengemeinde St. Jakobus Ründeroth, Ökumene Engelskirchen, Gemeinde Engelskirchen, Oberbergische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Halle 32 aus Gummersbach. Weitere Infos und Termine unter www.culturkirche-oberberg.de.

 

Andrea Eischeid – www.rheinische-anzeigenblaetter.de